Talvi und die Buchstabenmaschine
Talvi, der kleine Wichtel, kuschelte sich gemütlich in die Sofakissen. Er war gerade von einem Besuch bei seinem Freund, dem kleinen Igel, zurück. Jetzt war er durchgefroren und freute sich auf Kakao, Kuscheldecke und sein neues Buch über eine Piratenschatzsuche.
Er zog die Decke bis zur Nase und las laut: „Ein Sturm zog auf und Igor, der Hase, segelte mit seinem Schiff über das Meer.“ Talvi runzelte die Stirn. Ein Hase auf einem Piratenschiff? Er las weiter: „Sein treuer Begleiter, ein Schmetterling, saß auf seiner Schulter.“ Talvi schaufte. „Wie bitte? Ein Schmetterling? Piraten haben doch Papageien.“ Er blätterte weiter: „Igor sah eine Insel am Horizont und seufzte erleichtert. Endlich zu Hause. Ich freue mich so auf meinen Mittagsschlaf.“ Talvi legte das Buch zur Seite.
„Das ist ja kein Piratenbuch.“ Er blätterte noch einmal durch und las die Überschriften:
Igor und das Kuschelkissen
Der Schmetterling sucht eine Blume
Tortenbackwettbewerb
„Na wunderbar“, murmelte er. „Ein Pirat, der lieber backt als kämpft. Das muss die Buchstabenmaschine sein. Irgendwas ist da durcheinandergekommen.“ Also wieder anziehen.
Er ging los. Schon von Weitem hörte er ein lautes Quiiiiiietsch und dann ein „Oh du meine Güte“. Talvi schaute vorsichtig um die Ecke. Da stand sie, die große rote Buchstabenmaschine. Sie war ganz aus Metall und leuchtete und blinkte überall. Sie hatte kleine Schornsteine und an den Seiten drehten sich Zahnräder. Talvi sah auch Kabel und Trichter für Papier. Um die Maschine standen Körbe, in die die fertigen Bücher fielen.
Daneben stand ein Maulwurf mit einem dicken Kabel in der Hand. „Oh nein, jetzt hat das Feenbuch schon wieder Autoreifen“, jammerte er. „Und das Autobuch duftet nach Rosen.“ Talvi trat näher. „Hallo, ich bin Talvi. Kann ich helfen?“ Der Maulwurf drehte sich erschrocken um. „Oh, äh, ja, vielleicht. Ich bin Buddel. Ich sollte heute die Maschine reparieren, aber dann bin ich an diesen Kabeln hängen geblieben und jetzt macht sie nur noch Quatsch.“
Er seufzte. „In den Märchen stehen Kochrezepte, in den Kochbüchern Märchen und in den Wörterbüchern nur noch Witze.“ Talvi grinste. „Das klingt ja spannend.“
Buddel war verzweifelt. „Aber das will doch keiner lesen. Wenn ich nur meine Brille nicht vergessen hätte. Ich sehe so schlecht.“ Talvi sah sich um. Überall Kabel. Sie waren rot, blau, grün oder gelb gestreift.
„Moment mal, Buddel. Guck mal, die Kabelenden haben Farben und die Maschine auch. Vielleicht müssen wir die einfach richtig zusammenstecken.“ „Oh, du bist genial“, rief Buddel begeistert und hielt das gelbe Kabel ans blaue Ende der Maschine. „Äh, stopp. Gelb zu Gelb, Buddel.“ „Oh, richtig, richtig. Gelb zu Gelb, Blau zu Blau.
Nach einigem Gekichere und einer fast eingeklemmten Maulwurfsnase war alles verbunden.Buddel holte tief Luft, packte den Hebel und sagte: „Na dann, auf gutes Gelingen.“ Er zog. Die Maschine leuchtete bunt auf und brummte leise. Talvi und Buddel hielten den Atem an. Ein Buch kam heraus. Tiergeschichten für kleine Entdecker. Sie schlugen es auf und beide jubelten.
„Alles richtig! Talvi, du hast mich gerettet“, rief Buddel. „Wie kann ich mich nur bedanken?“ Talvi winkte ab. „Ach, das war doch kein Problem.“ Dann überlegte er kurz. „Wobei, hast du vielleicht ein Piratenbuch für mich? Meins ist, äh, unbrauchbar.“ Buddel grinste breit. „Na klar.“ Er drückte ein paar Knöpfe, die Maschine brummte und spuckte ein neues Piratenbuch aus. Talvi bedankte sich, winkte zum Abschied und lief nach Hause. Dort kuschelte er sich wieder in die Sofakissen, schlürfte seinen Kakao und begann zu lesen:
„Ein Sturm zog auf und Igor, der Pirat, segelte mit seinem Schiff über das Meer. Sein treuer Begleiter, ein Papagei, saß auf seiner Schulter. Igor sah eine Insel am Horizont und seufzte erleichtert. Endlich, die Schatzinsel.“
Talvi grinste. „Na also, so gehört sich das.“