Kurzgeschichte: Talvi und die Frösche 

Es war einer dieser Tage, an denen die Sonne schon morgens durch die Fensterläden blinzelte. Der Frühling war da. Richtig, mit Schmetterlingen und Vogelgezwitscher. Talvi hatte seinen dicken Mantel noch mitgenommen. Und auch den Schal. Und natürlich die Zipfelmütze. Man wusste ja nie.

Doch kaum war er bei seiner Freundin Fina angekommen, hatte er gemerkt: Hier am Teich war der Winter vorbei. Fina wohnte in einem rotgepunkteten Pilzhaus am Waldrand, mit einem kleinen Garten voller wilder Kräuter und einem Steg, der direkt zum Wasser führte. Dort saß Talvi jetzt, die Füße im kühlen Teich und pustete über seinen heißen Pfefferminztee. „Ganz schön warm hier“, murmelte er zum dritten Mal an diesem Tag. Fina lachte nur. „Warte ab. In einer Woche läufst du barfuß durchs Gras.“ 

Und tatsächlich: Tag für Tag wurde es ein bisschen sonniger, ein bisschen grüner  und Talvi ein bisschen mutiger. Erst flog der Schal in die Ecke. Dann der Mantel und schließlich konnte er die Sonne im T-Shirt und in kurzer Hose genießen. 

Am liebsten ruderte er mit Finas altem Holzboot über den Teich. Es quietschte und hatte eine leicht schiefe Sitzbank, aber Talvi liebte es. Er stellte sich vor, ein Pirat zu sein, mit einer Schatzkiste voller Kekse.

Einmal lieferte er sich ein Wettrennen mit einer Gruppe junger Fische. Er lag vorn, bis sie ihn am Ende alle gleichzeitig nassspritzen. Talvi war bis auf die Socken durchnässt. Die Fische blubberten vor Lachen und Talvi rief: „Unentschieden!“ 

Aber am meisten mochte Talvi die kleinen Frösche. Sie tauchten irgendwann ganz plötzlich auf. Erst saßen sie nur still auf den Steinen, dann hüpften sie durchs Gras, quakten durcheinander und kicherten. Bald spielte er jeden Nachmittag mit ihnen Fangen. Die Frösche waren schnell, aber Talvi hatte lange Arme und ein gutes Gedächtnis für Verstecke. "Hab dich!", rief er, als einer der Winzlinge sich hinter einer Gänseblümchen verstecken wollte.  „Quak!“, rief der Frosch und sprang ihm mitten auf den Kopf. 

Am nächsten Tag baute Talvi ihnen eine Rutsche. Er nahm eine große, flache Rinde, lehnte sie an einen runden Stein und tropfte ein bisschen Wasser darüber. Dann wartete er. Zuerst passierte nichts. Die Frösche schauten nur. Einer sprang probehalber auf die Schräge... und rutschte. Einmal. Dann noch mal. Und bald rutschten sie alle. Einer nach dem anderen. Innerhalb weniger Minuten war die Froschrutsche der neue Lieblingsort. Sie rutschten, hüpften, landeten platschend im Wasser und Talvi klatschte begeistert Beifall. 

„Nächstes Mal bau ich euch noch ’ne Schaukel“, murmelte er zufrieden – und machte sich auf den Weg zurück ins gemütliche Pilzhaus von Fina. 

Wichtel Talvi steht auf einer Blumenwiese, lächelt fröhlich und spielt mit vier kleinen Fröschen unter blauem Sommerhimmel.